Kategorie: Zeitzeuge

  • Ernest Regan

    Ernest Regan

    Ernest Regan

    Ernest Regan wurde am 23. April 1922 in Nürnberg als Ernst Regensburger, Sohn einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters, geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte Ernst ans Realgymnasium, bis er 1935 von dieser Lehranstalt verwiesen wurde und gezwungen war, sein letztes Schuljahr an der jüdischen Schule zu absolvieren.

    1936 begann der 14-Jährige eine kaufmännische Lehre in der Eisenhandlung Leo Reichsthaler. Nachdem die Firma »arisiert« worden war, übernahm die Süddeutsche Wäschefabrik den Lehrling, bis auch dieses Unternehmen Ende 1939 in »deutsches« Eigentum überführt wurde.

    Mit 18 Jahren meldete sich Ernst Regensburger bei der Deutschen Wehrmacht. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde ihm der Zugang zum Militärdienst verweigert. 1940 erhielt Ernst den Befehl, in einer Nürnberger Glasschleiferei anzufangen – diese Zwangsarbeit musste er vier Jahre lang verrichten.

    Am 4. April 1944 nahm die Gestapo den »Halbjuden« fest, sperrte den jungen Mann vier Monate im Nürnberger Gefängnis ein und deportierte ihn dann nach Auschwitz.

    Ernst Regensburger hatte Glück und überlebte das Vernichtungslager und seine »Evakuierung« im Januar 1945 nach Dachau. Von dort trieben SS-Schergen die Gefangenen in einem Todesmarsch in Richtung Tirol, wo diese schließlich in der Nähe von Seefeld im April 1945 von den Amerikanern befreit wurden.

    Nach einem monatelangen Krankenhausaufenthalt kehrte Ernst im August 1945 zu seinen Eltern zurück. In Nürnberg lernte er seine spätere Frau Anni Petschenik kennen, auch eine »Halbjüdin«, die gleichfalls mit viel Glück den Naziterror überlebt hatte.

    Aufgrund der leid- und schmerzvollen Erfahrungen sah das junge Paar keine Zukunft mehr in Deutschland und wanderte 1947 in die USA aus. Nach einem Zwischenaufenthalt in New York übersiedelten die Regans Anfang der 1950er Jahre an die Westküste.

    Bis zu seinem Tod im September 2002 lebte Ernest Regan in Los Angeles.

  • Josef Jakubowicz

    Josef Jakubowicz

    Josef Jakubowicz

    Josef Jakubowicz wurde am 10. Oktober 1925 in der polnischen Stadt Auschwitz geboren, deren Name zum Synonym für den millionenfachen Massenmord an den Juden wurde. Die siebenköpfige Familie Jakubowicz gehörte zu den rund 9.000 Juden, die in der etwa 13.000 Einwohner zählenden Kleinstadt wohnten und arbeiteten.

    Mit dem Einmarsch der Deutschen wurde das blühende jüdische Leben jedoch jäh beendet. Auf dem Gelände, wo Josefs Volksschule stand, erbauten die Nazis das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

    Der damals 14-Jährige musste als Zwangsarbeiter sogar dabei mithelfen, die Baracken, Zäune und Wehrtürme der Todesfabrik zu errichten. Bis zu seiner Befreiung am 15. April 1945 im KZ Bergen-Belsen durchlitt Jakob eine Odyssee, die ihn durch acht Arbeits- und Konzentrationslager führte.

    Der Großteil seiner Familie überlebte die Shoa nicht, Vater, Geschwister, Onkel und Tanten wurden ermordet.

    Mitte 1945 verschlug es Josef Jakubowicz zunächst nach Bamberg in ein Auffanglager für Holocaust-Überlebende, von wo aus er ins jüdische Displaced Persons (DP) Camp Fürth-Hardhöhe übersiedelte. Im städtischen Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte Tuberkulose und überwiesen den jungen Mann in eine Lungenheilstätte in Georgensgmünd. Auch in dieser kleinen Ortschaft hatten sich jüdische DPs niedergelassen.

    Zusammen mit anderen Überlebenden der Konzentrationslager  – die in Roth, Katzwang und Schwabach untergebracht waren  – gründete man eine jüdische Gemeinde, das Jüdische Komitee Schwabach.

    1947 heiratete Josef seine Jugendfreundin Jente Schwarzberg; ein Jahr danach kam Sohn Jehuda zur Welt.

    Josef Jakubowicz lebte bis zu seinem Tod im Mai 2013 in Nürnberg.

  • Margot Sekkel

    Margot Sekkel

    Margot Sekkel

    Margot Sekkel wurde am 28. September 1918 in Nürnberg geboren. Sie wuchs als wohlbehütete Tochter des Kommerzienrats Siegfried Astruck und seiner Frau Gertraud auf. Die wohlhabende und assimilierte Familie hielt Anteile an der 1878 gegründeten Nürnberger Schildpatt- und Hornwarenfabrik Gustav Astruck.

    Margot besuchte zunächst eine Privatschule, bis sie auf das Lyzeum in der Labenwolfstraße überwechselte. Nachdem das junge Mädchen von der Schule verwiesen worden war, ging Margot nach England.

    1935 kehrte sie für etwa ein Jahr in ihre Geburtsstadt zurück und erteilte jüdischen Emigranten privaten Englischunterricht. Anschließend übersiedelte Margot in die Schweiz, wo sie bei Verwandten lebte und auf die Ankunft der Eltern wartete.

    In der Pogromnacht im November 1938 wurde ihr Vater nach Dachau verschleppt und dort fünf Wochen lang gequält. Nach seiner Entlassung musste die Familie ihre Geschäftsanteile weit unter Wert an einen NS-Parteigenossen verkaufen und erhielt im Gegenzug die Ausreiseerlaubnis in die Schweiz.

    Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wanderten die Astrucks über England in die peruanische Hauptstadt Lima aus. Für Margot war die Mitte der 1930er Jahre begonnene Wanderschaft jedoch noch nicht zu Ende. In Buenos Aires heiratete sie 1945 den aus Hamburg stammenden deutsch-jüdischen Emigranten Max Sekkel. Rund zwei Jahrzehnte lebte das Paar zunächst in Argentinien, später in den USA.

    1973 kehrte Margot Sekkel nach Deutschland zurück und ließ sich in Oberbayern nieder. 2001 übersiedelte sie erneut in die USA.

    Dort verstarb Margot Sekkel im Mai 2011.

  • Albert Meinhardt

    Albert Meinhardt

    Albert Meinhardt

    Albert Meinhardt wurde am 16. Juli 1925 in Nürnberg geboren. Er besuchte zunächst die allgemeine Volksschule, später die jüdische Realschule in Fürth und gehörte dem Jüdischen Sportclub an. Trotz zunehmender Repressalien ab 1933, die ihn mehr verwunderten als erschreckten, erlebte Albrecht erst den Abbruch der Nürnberger Synagoge 1938 als den Anfang vom Ende.

    Noch im November 1939 gelang es Familie Meinhardt, Pässe und Ausreisegenehmigungen für die Vereinigten Staaten von Amerika zu bekommen. Über Holland und England konnten sie in die USA ausreisen.

    In New York, wo Albrecht seinen Namen in Albert änderte, zur High School ging und als Zeitungsjunge ein paar Dollar hinzuverdiente, konnte Vater Meinhardt, ein Lederwaren- und Spielzeughändler, durch eine Geschäftsgründung bald wieder als Kaufmann Fuß fassen.

    Als amerikanischer Soldat und Angehöriger der US-Militärregierung kam Albert Meinhardt 1945 für etwa ein Jahr zurück nach Fürth und Nürnberg, wo er zunächst Julius Streicher, dann dessen Frau begegnete, die ihr inzwischen beschlagnahmtes Gut, den Pleikershof im Landkreis Fürth, zurückverlangen wollte.

    Bis zu seinem Tod im Juli 1999 lebte Albert Meinhardt im US-Bundesstaat New Jersey.

  • Chava Ducas

    Chava Ducas

    Chava Ducas

    Chava Ducas wurde am 11. Juli 1917 als Eva Mathilde Nussbaum geboren. Da ihre Eltern, Meinhold und Anna Nussbaum, zu den führenden Zionisten Nürnbergs gehörten, galt das Heim in der Villenkolonie Ebensee als Mittelpunkt der palästinaorientierten Juden Nürnbergs. Zu den häufigsten Gästen gehörte etwa der spätere israelische Arbeitsminister Giora Josephthal.

    Schon früh hatten die Nussbaums eine Emigration erwogen. Bereits 1923 sondierte der Vater die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Palästina. Doch erst als der Antisemitismus immer bedrohlicher wurde handelten die Nussbaums.

    Eva und ihre Schwester Hanna wurden schon 1932 zu Verwandten nach Holland bzw. Berlin gebracht. Die Eltern buchten für den 4. April 1933 eine Schiffspassage von Neapel nach Haifa. Auf Grund der bedrohlichen Ereignisse des sogenannten Boykott-Tages am 1. April 1933 entschlossen sie sich jedoch, mit ihren noch in Deutschland verbliebenen Töchtern Rachel und Dorothea zur sofortigen Flucht. Eva und Hanna wurden angewiesen, sich in Rotterdam zu treffen, von wo aus sie den Schiffsweg nach Palästina antraten.

    Der Anfang im fernen Land war nicht leicht. Trotzdem konnte Vater Meinhold als Jurist mit einer eigenen Kanzlei wieder Fuß fassen; unter anderem wurde er 1946 von der Jewish Agency als »Beauftragter für jüdisches Eigentum« für drei Jahre zur Regelung von Restitutionsfragen nach Deutschland geschickt. Chava besuchte mit ihren Schwestern eine Landwirtschaftsschule zur Vorbereitung auf ein Leben im Kibbuz.

    Heute lebt Chava Ducas in Maoz Chaim, einer Kollektivsiedlung an der jordanischen Grenze.

  • Alisa Kirby

    Alisa Kirby

    Alisa Kirby

    Alisa Kirby wurde am 5. Juni 1921 als Ilse Wertheimer in Nürnberg geboren. Ab 1931 besuchte sie das Labenwolf-Lyzeum, wo sie noch die Mittlere Reife erlangte, aber als Jüdin nicht zur Abschlussfeier zugelassen wurde.

    1936/37 war Vater Julius gezwungen sein Geschäft für Baubedarf in der Fürther Straße weit unter Wert zu verkaufen. Zwar versuchten die Wertheimers zu emigrieren, die Familie stand auf der Liste für eine Auswanderung in die USA, doch die Wartenummer war zu hoch.

    Ilse begann noch eine Ausbildung und besuchte bis 1938 die jüdische Haushaltsschule in Frankfurt, die aber nach der Pogromnacht schließen musste. Die Zeit drängte.

    Durch Vermittlung einer Freundin gelang es Ilse, Kontakte nach England zu knüpfen und dort eine Au-Pair-Stelle zu ergattern. Drei Wochen vor Kriegsbeginn entkam Ilse nach London; ihre Familie blieb in Deutschland zurück: Die Eltern und der jüngere Bruder Hans wurden 1941 mit einem Sammeltransport nach Riga-Jungfernhof verschleppt und getötet.

    Ilse heiratete 1943 in England und übersiedelte mit ihrem Mann Georg 1950 nach Israel. Dort nahm sie den Namen Alisa an.

  • Shlomo Schönthal

    Shlomo Schönthal

    Shlomo Schönthal

    Shlomo Schönthal, am 19. Januar 1921 als Fritz Schönthal in Nürnberg geboren, erinnert sich an das Jahr 1933 als den traumatischen Einschnitt seines Lebens: Als Schüler am humanistischen Gymnasium erfuhr Fritz, der zuvor eine normale Volksschulzeit erlebt hatte, nun Ausgrenzung, Beschimpfung und Gewalt. Von den christlichen Mitschülern, die sich mehr und mehr von ihm abwandten, war er sehr enttäuscht, fand jedoch im jüdischen Pfadfinderbund einen gewissen Ausgleich.

    Nach der Pogromnacht, Fritz stand kurz vor dem Abitur, wurde er der Schule verwiesen. In der jüdischen Schule in der Oberen Kanalstraße konnte er sich noch berufspraktische Kenntnisse aneignen, bevor er für ein knappes Jahr die Hachschara in Ahrensdorf besuchte.

    Mit einem Jugendtransport verließ er Deutschland im Herbst 1940. Von Wien aus trat er eine lange, von Widrigkeiten bestimmte Schiffsreise nach Palästina an.

    Endlich in Haifa angekommen, erfuhren die Passagiere, dass sie von der englischen Mandatsmacht nach Mauritius verbracht werden sollten. Um die Deportation zu verhindern sprengte die Hagana ein Loch in das Schiff. Nach Monaten in einem Internierungslager für illegale Einwanderer kam er frei und lebte ab 1942 in einem Kibbuz.

    Seine Eltern und Schwester Elsbeth wurden im November 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort ermordet.

  • Martin Mayer

    Martin Mayer

    Martin Mayer

    Martin Mayer wurde am 18. März 1910 geboren und wuchs in der Nürnberger Altstadt auf, wo seine Eltern ein kleines Haus besaßen. Nach dem Besuch des Realgymnasiums trat er 1926 eine Stelle in der Exportabteilung der Spielzeugfirma Bing an. Der sportbegeisterte Martin spielte Tennis sowie Handball bei Bar Kochba und war Mitglied des 1. FC Nürnberg – bis er 1933 als Jude aus dem Club ausgeschlossen wurde.

    Auch die Metzgerei der Eltern bekam den zunehmenden Druck der Nationalsozialisten und das durch beginnende Emigration bedingte Ausbleiben der jüdischen Kundschaft bitter zu spüren.

    Bereits Anfang der 1930er Jahre begann Martin Mayer die Möglichkeit der Auswanderung in ein spanischsprachiges Land zu erwägen. Nachdem eine Übersiedlung nach Spanien durch den Bürgerkrieg vereitelt wurde, jedoch mütterlicherseits Verwandtschaftsbeziehungen nach Mittelamerika bestanden (auch Martins älterer Bruder hatte sich bereits 1927 in Mexiko niedergelassen), entschloss sich Martin für ein neues Leben in Kuba.

    Im September 1938 emigrierte er nach Havanna, wo er Arbeit im Vertrieb medizinischer Instrumente in der Firma seines Onkels fand. Seine Frau Herta, die er kurz zuvor in Nürnberg geheiratet hatte, kam bald nach; auch seiner Mutter gelang die Ausreise nach Mittelamerika.

    Martin Mayer zog es nach einigen Jahren schließlich nach Miami Beach, in den US-Bundesstaat Florida.

    Dort verstarb er wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag, im März 2002.

  • Jacob Rosenthal

    Jacob Rosenthal

    Jacob Rosenthal

    Jacob Rosenthal, als Hans Heinrich am 11. Juni 1922 in Nürnberg geboren, besuchte die Volksschule am Rathenauplatz, dann von 1932 bis 1938 das Melanchthon-Gymnasium, bis diese Schule »judenrein« gemacht wurde.

    Aus seiner Gymnasialzeit ist ihm besonders eine traumatische Begebenheit in Erinnerung: Bei einem Klassenausflug auf einen Gutshof wurde er zusammen mit zwei weiteren jüdischen Mitschülern an eine Hundehütte gekettet und mit Abfällen beworfen.

    Den Abbruch der Synagoge am Hans-Sachs-Platz erlebte er als »Symbol des herannahenden Endes«. Seine Eltern mussten nach dem 9. November 1938  – Hans war zu dieser Zeit Schüler des Jüdischen Gymnasiums in Berlin – zusätzliche jüdische Mieter in ihrer 5-Zimmer-Wohnung aufnehmen.

    Da Hans’ Stiefvater eine leitende Position in der zionistischen Ortsgruppe innehatte und auch der Junge selbst schon ab 1933 in der zionistischen Jugendbewegung aktiv war, die ihm das Gegengewicht zur Isolation in seiner christlichen Umwelt gab, kam für eine Auswanderung nur ein Land in Frage: Im März 1939 emigrierte Familie Rosenthal über Triest nach Palästina. Hans nahm den hebräischen Namen Jacob an.

    Jacob Rosenthal starb im Februar 2012 in Jerusalem.

  • Elizabeth Miller

    Elizabeth Miller

    Elizabeth Miller

    »Mein Vater hat immer geglaubt, das geht vorbei, das kann nicht lange dauern«, erinnert sich Elizabeth im Interview an die fatale Illusion, die gerade patriotische Juden während der Nazi-Diktatur hegten.

    Elizabeth Miller, am 13. Juni 1923 in Nürnberg als Elsbeth Rosa Bein geboren, stammte aus solch einer patriotischen Familie: Der Vater hatte im Ersten Weltkrieg gedient, sie selbst wuchs mit einem Bild Hindenburgs über ihrem Bett auf. Doch plötzlich galten die Beins nicht mehr als Deutsche.

    Die Spielzeugfabrik des Vaters, Doll & Co., musste unter dem Druck der »Arisierung« zu einem Spottpreis veräußert, die Bein’sche Villa verlassen, Silber und Schmuck abgegeben werden. Unter dem Schock der Reichspogromnacht entschloss sich Familie Bein zur Auswanderung. Im Mai 1939 kamen Elsbeth und ihre jüngere Schwester Ingeborg zunächst mit einem Kindertransport nach England, wo sie bei Freunden in London Unterschlupf fanden.

    Als die Eltern, die sich in die lange Warteliste für eine Emigration in die USA eingeschrieben hatten, endlich Visa und Schiffspapiere erhielten, brach der Krieg aus. Am 2. September 1939 flüchteten sie illegal zu Verwandten nach Holland und emigrierten von dort in die Vereinigten Staaten.

    Im Oktober 1940 wurde die Familie in Boston wieder vereint. Elizabeth Miller lebte Jahrzehnte in der Nähe von San Francisco.

    Elisabeth Miller starb im Februar 2015 in Redwood City (CA).

  • Hilde Marshall

    Hilde Marshall

    Hilde Marshall

    Hilde Marshall wurde am 28. Februar 1908 als Hilde Hecht geboren und stammt aus einer gutsituierten Nürnberger Familie. 1933 heiratete sie Frank C. Marschütz, den Sohn des Gründers der Hercules-Fahrradfabrik Carl Marschütz.

    Im Zuge der Reichspogromnacht und des Boykotts jüdischer Geschäfte wurde Hilde Marschütz Zeugin unvorstellbarer Gewalt- und Willkürakte: Ihrem Vater zertrümmerten die Nazis die Schädeldecke mit einer Schreibmaschine, sodass er rechtsseitig gelähmt war; der Familie Marschütz nahmen sie ohne jegliche Entschädigung die 1886 gegründete Velozipedfabrik.

    Da sie nun endgültig den Glauben an ein Weiterleben in Deutschland verloren hatten, emigrierten die Familien Marschütz und Hecht schon wenige Wochen nach diesen Ereignissen nach New York.

    Wenn Hilde Marschütz, die ihren Familiennamen in Marshall änderte, auch ihre engsten Familienangehörigen nicht durch den Naziterror verloren hat – selbst ihr optimistischer Vater lebte noch weitere sechzehn Jahre mit seiner Lähmung – so sind doch viele ihrer Verwandten und Freunde in den KZs »einfach so verschwunden«.

    Hilde Marshall lebte Jahrzehnte in Los Angeles, wo sie kurz nach ihrem 101. Geburstag im März 2009 starb.

  • Manfred Abusch

    Manfred Abusch

    Manfred Abusch

    Manfred Abusch, geboren am 27. März 1924, nennt die Aufmärsche beim Reichsparteitag und die Volkshetze gegen Juden, besonders den in Nürnberg allgegenwärtigen Stürmer, als prägende Erinnerungen an seine Geburtsstadt, die für ihn Nazideutschland verkörperte. Er besuchte die jüdische Schule in der Oberen Kanalstraße, wo er später auch eine Ausbildung zum Schlosser absolvierte.

    Die Gestapo-Präsenz im Hause Abusch war aufgrund der kommunistischen Gesinnung von Alexander Abusch, dem Onkel väterlicherseits und späterem DDR-Kulturminister, sehr hoch. Mit Kriegsbeginn musste Familie Abusch mit jüdischen Familien aus anderen Städten in ein sogenanntes Judenhaus ziehen. 1938 wurde sein Bruder Walter nach Buchenwald verschleppt und dort ermordet.

    Mit 16 gelang Manfred Abusch die Emigration; seine Eltern blieben in Deutschland zurück. Manfred reiste über Dänemark, Schweden, Russland, die Türkei, Syrien und den Libanon nach Palästina aus; in Haifa wurde zunächst ein Jugendkibbuz seine neue Heimat.

    Abusch besuchte 1951 erstmals wieder Deutschland, wo sein Vater, der einen mehrjährigen KZ-Aufenthalt in Buchenwald überlebt hatte, noch immer wohnte; Mutter und Schwester wurden am 24. März 1942 nach Izbica deportiert, wo sich ihre Spuren verlieren.

    Manfred Abusch starb im April 2001 in Tel Aviv.

  • David Schneebalg

    David Schneebalg

    David Schneebalg

    David Schneebalg wurde am 14. März 1914 in Nürnberg geboren und begann nach der Schule im Bekleidungshaus Adolf Stock eine Lehre, die mit der »Arisierung« durch Fischer & Co. ein jähes Ende fand.

    Daraufhin zog es Schneebalg nach Magdeburg, wo er 1938 von der Gestapo ohne Vorwarnung von seinem neuen Arbeitsplatz weg nach Polen, der Heimat seiner Eltern, deportiert wurde. Bei der Teilung Polens 1939 in einen deutschen und einen sowjetischen Teil schlug sich Schneebalg auf die russische Seite.

    Als Soldat der Roten Armee kämpfte er gegen Nazideutschland. Nach dem Krieg kehrte er nach Nürnberg zurück, wo er erfuhr, dass fast seine gesamte Familie ermordet worden war.

    Im Haus der Israelitischen Kultusgemeinde in der Wielandstraße, das den Kriegsheimkehrer zunächst aufnahm, lernte Schneebalg die Witwe Lina Stern und ihre beiden Kinder kennen, die wie durch ein Wunder die KZs Ravensbrück und Bergen-Belsen überlebt hatten.

    Schneebalg und Stern emigrierten 1947 nach New York, wo sie heirateten und Schneebalg seinen beruflichen Werdegang als Kaufmann in einem Importgeschäft wieder aufnehmen konnte.

    Seinen Lebensabend verbrachte er in Lake Worth, im US-Bundesstaat Florida.

    David Schneebalg starb im September 2003 in Lake Worth (FL).

  • John Frankel

    John Frankel

    John Frankel

    John Frankel wurde am 14. Juni 1916 als Hans Fränkel in Nürnberg geboren. Er war der Sohn von Theodor Fränkel, dem hoch geachteten Oberkantor der Nürnberger Hauptsynagoge, und dessen Frau Anna, einer Schwester des Hercules-Firmengründers Carl Marschütz. »Ich habe nur gute Erinnerungen, bis die Zeit Hitlers kam«, erzählt Frankel über seine Jugend in Nürnberg.

    Nach dem Besuch des Reformgymnasiums blieb ihm das Studium an einem Technikum in Deutschland versagt, weshalb er von 1935 bis 1938 im tschechischen Tetschen-Bodenbach die technische Hochschule besuchte. Als ihm 1938 endgültig klar wurde, dass ihm Deutschland keine Perspektive mehr bieten könne, emigrierte er von Prag über London nach Los Angeles, wo sich seine Schwester Trude bereits 1934 niedergelassen hatte.

    John Frankel starb im Mai 2010 in Los Angeles.

  • Jakob Goldberger

    Jakob Goldberger

    Jakob Goldberger

    Jakob Goldberger wurde am 11. September 1917 geboren und stammte aus einer angesehenen Nürnberger Kaufmannsfamilie. Seine Eltern besaßen ein Textilgeschäft in der Innenstadt.

    Er besuchte das Reform-Realgymnasium am Egidienberg, entschloss sich aber früh, der zunehmenden Feindseligkeit gegen jüdische Schüler zu entgehen. So zog er 1934 nach Frankfurt, besuchte eine Jeschiwa und ließ sich zum Drucker ausbilden.

    Im November 1938 kehrte er nach Nürnberg zurück und erlebte dort die Folgen der Pogromnacht auf seine Familie. Der Abriss der Hauptsynagoge, die »Arisierung« des elterlichen Geschäfts und ein Arbeitsangebot für den jungen Schriftsetzer in der Druckerei des Stürmer bilden Angelpunkte seiner Erinnerung an Nürnberg.

    1939 flüchtete Jakob Goldberger über Luzern und Triest nach Palästina. Der Briefkontakt zu seinen in Deutschland verbliebenen Eltern war sporadisch; sein Versuch, ihnen von Palästina aus Einreisegenehmigungen zu verschaffen, scheiterte. Sie wurden im März 1942 nach Izbica deportiert.

    Jakob Goldberger starb 2002 in Jerusalem.

  • Ruth Schloss

    Ruth Schloss

    Ruth Schloss

    Ruth Schloss wurde am 22. November 1922 als zweite von drei Töch­tern in einer assimilierten, sozialdemokratisch gesinnten jüdischen Kauf­mannsfamilie geboren.

    Der an­tisemitische Ungeist, der schon wäh­rend ihrer Nürnberger Schulzeit in der Holzgartenschule und im Mäd­chenlyzeum herrschte, trat für Ruth Schloss erst voll zutage, als die Familie 1934 nach Stuttgart zog und Ruth auf die Waldorfschule kam: »Da merkten wir erst, was es für einen Unterschied machte, wenn die Schule wirklich gut ist, wenn die Kinder frei sind.«

    Nach drei Jahren Zwischenaufenthalt in Schwaben emigrierte Familie Schloss 1937 nach Palästina und baute dort einen landwirtschaftlichen Betrieb auf. Ruth ging auf die Kunsthochschule und studierte Malerei. Mit ihren Bildern bezieht Ruth Schloss politisch Stellung für eine freie und säkulare Gesellschaft in Israel, wobei sie auch immer wieder den Holocaust thematisiert.

    Ruth Schloss starb im Juli 2013 in Kfar Schmarjahu (Israel).

  • Meier Schwarz

    Meier Schwarz

    Meier Schwarz

    Meier Schwarz wurde am 28. Januar 1926 in Nürnberg als Werner Schwarz geboren und ging in der Essenweinstraße zur Schule. Bereits als Kind bemerkte er, wie sich ab 1933 die Lage der Juden in Nürnberg verdüsterte.

    Als 1937 sein Vater in Rottendorf ermordet und die Leiche in einem verplombten Sarg nach Hause geschickt wurde, wusste der Sohn, dass hinter der »offiziellen« Version des Herzschlages eine Lüge steckte. In der Reichspogromnacht war er mit seinem älteren Bruder allein daheim und musste mit ansehen, wie SA-Schergen das gesamte Mobiliar zertrümmerten und Bruder Joseph verprügelten.

    Es war schwer und vor allem teuer, einen Fluchtweg aufzutun: Der ältere Joseph durfte, da er über 16 Jahre alt war, nicht mehr emigrieren, für den Jüngeren fand sich mit Mühe und unter Zahlung einer sogenannten Reichsfluchtsteuer von 26.000 Mark ein Platz in einem Kindertransport nach Palästina.

    Einen Monat vor Kriegsbeginn verließ Werner Nürnberg und fand zunächst Aufnahme in einem Kinderheim in Jerusalem, bevor er in einen Kibbuz eintrat. Mutter Meta starb 1940 in einem Fürther Krankenhaus wegen angeblichen Medikamentenmangels, Bruder Joseph wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

    Heute sieht es Meier Schwarz, inzwischen emeritierter Botanik-Professor, als seine Lebensaufgabe an, gegen das Vergessen zu arbeiten: Als Gründer der Organisation Beit Ashkenaz dokumentiert er flächendeckend einstige Synagogen und die Geschichte deutsch-jüdischer Gemeinden vor der Shoa. Gleichzeitig setzt Schwarz sich für eine verstärkte Erinnerungsarbeit im öffentlichen Raum ein.

    Meier Schwarz starb im Januar 2022 in Jerusalem.

  • Hertha Gosser

    Hertha Gosser

    Hertha Gosser

    Hertha Gosser kam am 22. Oktober 1923 als Tochter eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter zur Welt. Wenn sie auch als »Halbjüdin« anfänglich noch nicht der unverhohlenen Diskriminierung ausgesetzt war, warf die Naziherrschaft doch Schatten auf ihre Kindheit und Jugend.

    Am Labenwolf-Lyzeum, das Hertha besuchte, herrschte ein zunehmend kälteres Klima, weshalb sie an die katholische Schule der Englischen Fräulein wechselte, die aber bald nach der Pogromnacht ihre Pforten schließen musste.

    Mit viel Glück und Verschweigen ihrer Identität gelang es Hertha, ihren Ausbildungsweg fortzusetzen. Konsequent weigerte sie sich, selbst nach einer Vorladung auf die Gestapo 1940, ihre jüdische Kennkarte mitzuführen und Dokumente mit Hertha »Sara« zu unterschreiben. Auch den »Judenstern« legte sie nicht an – ein Verhalten, das, so gefährlich es auch war, ihr doch ein gewisses Leben in der Öffentlichkeit zusicherte.

    Oft hingen ihr Leben und das ihrer zunehmend schikanierten und gedemütigten Eltern am seidenen Faden. Als die Familie im August 1942 in eine sogenannte Judenwohnung umziehen musste, schien eine baldige Deportation absehbar, zumal ab Mitte 1943 nur noch wenige Juden in Nürnberg lebten. Die Bombardierung Nürnbergs, im Frühjahr 1945, verhinderte letztlich die geplante Deportation der verbleibenden Juden: Familie Gosser überlebte.

    Hertha Gosser verstarb im Februar 2017 in Nürnberg.

  • Marianne Mohr

    Marianne Mohr

    Marianne Mohr

    Marianne Mohr wurde am 1. März 1921 als Enkelin des Großindu­striellen Ignaz Bing geboren. Sie besuchte zunächst die Volksschule am Marientor, dann die Labenwolf-Realschule.

    Wohlbehütet wuchs sie in einem gebildeten und weltoffenen Elternhaus auf: Vater Dr. Sigmund Bing, Aufsichtratsvorsitzender der Bing-Werke sowie Journalist, und Mutter Charlotte verkehrten mit Schriftstellern und Politikern, reisten viel. 1931 scheiterte die Ehe, Mutter Lotte zog mit der Tochter nach Konstanz, wo Marianne bald zum begeisterten Habonim-Mitglied wurde.

    Erste Risse bekam Mariannes kindliche Welt, als ihr Cousin Rudolf Benario in Dachau erschossen wurde. Immer öfter sprach man von Emigration, Marianne wollte nach Palästina.

    Nach ihrem Schulabschluss im jüdischen Landerziehungsheim in Herrlingen bei Ulm besuchte sie ab 1937 die Hachschara in Urfeld bei Köln, dann ein »Werkdorf« in Holland, das sie im Sommer 1939 in Richtung Palästina verließ.

    Der von ihr mitbegründete Kibbuz Dorot wurde schließlich ihre neue Heimat.

  • Shaul Höxter

    Shaul Höxter

    Shaul Höxter

    »Mit uns passiert nichts, ich war Frontkämpfer!« So reagierte Vater Höxter hartnäckig auf die Versuche seines am 6. Juli 1923 geborenen Sohnes, ihm die Erlaubnis zur Emigration abzuringen.

    Nie hätte der beliebte, voll integrierte Junge, der damals noch Fritz hieß, gedacht, dass er einmal als »Judenkind« abgestempelt werden würde. Lange wusste er nicht, dass er einen jüdischen Vater hatte; plötzlich veränderte dieser von den Nazis ans Licht gezerrte Umstand das Leben der Höxters einschneidend: Die Familie hatte beim Bierholen fortan den Hintereingang der Gaststätte zu benutzen, der im »Rassenunterricht« zunächst als »arischster Kopf der Klasse« deklarierte Fritz musste beim morgendlichen Schulappell auf einmal mit dem Rücken zur Flagge stehen. Die Situation spitzte sich zu: Fritz durfte mit seinen ehemaligen Freunden nicht mehr auf der Straße spielen, er wurde der Schule verwiesen.

    Es gab aber auch Menschen mit anderer Gesinnung, wie etwa den christlichen Bäcker, der für die Familie Chala backte, oder die Arbeitskollegen des Vaters, die den 1936 entlassenen Metzger weiterhin über Jahre hinweg mit Fleisch versorgten. Doch das reichte nicht.

    Im März 1938, kurz nach seiner Bar-Mizwa-Feier in der Hauptsynagoge, wanderte Fritz nach Palästina aus, nahm den hebräischen Namen Shaul an, und trat in einen Kibbuz ein.

    Die Eltern und die jüngeren Geschwister blieben in Nürnberg zurück: Shauls Vater überstand die Zwangsarbeit im Schienenbau, sein Bruder überlebte gar das KZ Auschwitz.

  • Bella Rosenkranz

    Bella Rosenkranz

    Bella Rosenkranz

    Geboren am 16. Oktober 1921 in Fürth, verbrachte Bella Rosenkranz die ersten Lebensjahre in Colmar bzw. in Regensburg. Nach dem Tod der Mutter kehrte das Mädchen 1929 nach Fürth zurück und lebte dort im jüdischen Waisenhaus.

    Bellas Erinnerungen an diese Zeit sind nicht nur positiv, auch wenn die Einrichtung und ihr Leiter Dr. Isaak Hallemann weit über die Stadt hinaus einen guten Ruf genossen. Sie empfand die orthodox-religiöse Erziehung als zu streng und autoritär. Da sie auch die örtliche jüdische Schule besuchte, hatte Bella nur wenige Kontakte zur christlichen Mehrheitsbevölkerung. Sie nahm jedoch die zunehmende Bedrohung vonseiten der Nationalsozialisten deutlich wahr.

    Im Oktober 1938 wurde die Siebzehnjährige mit über 50 weiteren Fürther Juden im Rahmen der sogenannten Polenaktion aus Deutschland ausgewiesen. Anlass war eine Verfügung der polnischen Behörden, dass alle sich im Ausland befindlichen Bürger ihre Pässe umgehend verlängern müssten. Wer bis zum 31. Oktober 1938 keine gültigen Papiere vorweisen könne, würde die Staatsangehörigkeit verlieren und dürfe somit nicht mehr nach Polen einreisen.

    Daraufhin trieb die Gestapo zwischen dem 28. und dem 29. Oktober reichsweit rund 18.000 polnische Juden zusammen und deportierte sie u. a. in den Raum Zbaszyn, wo 8.000 Menschen im Niemandsland zwischen Polen und Deutschland sich selbst überlassen wurden. Bella konnte sich zunächst zu Verwandten durchschlagen. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen war sie gezwungen, in die Sowjetunion zu flüchten. Dort galt sie als »Feind« und wurde für mehr als fünf Jahre in ein Arbeitslager gesperrt.

    Erst 1961 durfte sie die UdSSR verlassen und nach Franken zurückkehren. Bella Rosenkranz verstand sich als echte Fürtherin, sodass Versuche, in den USA oder in Israel Fuß zu fassen, fehlschlugen. Über fünfzig Jahre lebte die agile Seniorin in ihrer geliebten Geburtsstadt und engagierte sich tatkräftig in der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth.

    Bella Rosenkranz verstarb im April 2017 im Alter von 95 Jahren.

  • William Freund

    William Freund

    William Freund

    William Freund wurde am 4. September 1926 als Kurt Freund in Nürnberg geboren. Zu seinen deutlichsten Erinnerungen an die Jugend in seiner Heimatstadt ge­hört das traumatische Erlebnis, auf dem Schulweg von christlichen Nachbarskindern überfallen, beschimpft und gefesselt worden zu sein.

    Das Thema Auswanderung stand für die assimilierte Familie Freund aber trotz solcher Übergriffe nicht zur Debatte – bis Williams Vater Hugo 1937 von den Nazis verhaftet und auf schrecklichste Weise gedemütigt und gequält wurde. Danach war klar, dass die Freunds ihr Heil in der Flucht suchen mussten: Im September 1937 packte die Familie ihre Koffer mit dem Ziel USA – damals nicht das Land der unbegrenzten Möglichkei­ten, sondern von Rezession geplagt.

    Washington Heights, ein New Yorker Stadtviertel, in dem vornehmlich deutsche Auswanderer lebten, scherzhaft das »Vierte Reich« genannt, wurde den Flüchtlingen zur neuen Heimat.

    Durch eine pfiffige Geschäftsidee – Williams Mutter Paula hatte einem Nürnberger Konditor der Traditionslebküchnerei Haeberlein-Metzger das streng gehütete Originalrezept für Elisenlebkuchen abgeluchst – gelang es Familie Freund zu überleben: »Paula’s Lebkuchen«, zubereitet im eigenen Laden in Manhattan, wurden ein Verkaufsschlager.

    Auch William selbst brachte es weit: Nach einem Studium an der Columbia University (New York) erwarb er einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften und lehrte bis ins hohe Alter an der New Yorker Pace University.

  • Senta Josephthal

    Senta Josephthal

    Senta Josephthal

    Senta Josephthal (geb. Punfud) wurde am 5. Dezember 1912 in Fürth geboren. Sie war Mitglied im jüdischen Jugendbund in Nürnberg, der sich nach 1933 der zionistischen Jugendbewegung anschloss.

    Bei diesen Aktivitäten lernte Senta ihren späteren Mann Giora Josephthal kennen. Nach dem Abitur und dem Studium der Rechtswissenschaften und Nationalökonomie an der Universität Erlangen, von der sie nach der Wahl Hitlers ausgeschlossen wurde, schickte sie der Hechaluz (Dachorganisation der zionistischen Jugendbünde) nach München und Berlin, um die Umschulung und Ausbildung Jugendlicher zu organisieren, die auf die Auswanderung vorbereitet werden sollten. Senta und Giora verließen Deutschland im Oktober 1938, um mit anderen deutschen Juden in Palästina einen Kibbuz zu gründen.

    Das Ehepaar Josephthal war auch politisch entscheidend am Aufbau des Staates Israel beteiligt. So war Senta etwa als Vorsitzende der Kibbuzbewegung tätig und wirkte jahrzehntelang in der Gewerkschaftsbewegung, wo sie unter anderem die Einrichtung einer Abteilung für die Eingliederung neuer Einwanderer leitete.

    Auf ausdrücklichen Wunsch David Ben Gurions kandidierte Senta Josephthal 1955 erstmals für die Knesset und wurde auch gewählt; eine weitere Entsendung ins Parlament erfolgte Mitte der 1970er Jahre. 1956 wurde sie vom damaligen Finanzminister Levi Eshkol nach Deutschland geschickt, um dort bei Verhandlungen über Entschädigungszahlungen an Holocaust-Opfer das weithin unbekannte Modell des Kibbuz zu erläutern.

    Senta Josephthal starb im Juli 2007 in ihrem Kibbuz Gal-Ed.